Hartz IV oder V ?



 

Hartz IV oder der Sozialknast in Deutschland

Ein paar gut gekleidete Menschen sitzen auf dem Flur und warten darauf, dass die Wirkungsperson endlich den verabredeten Termin mit ihnen wahrnimmt. Pünktlichkeit ist wichtig für die Zurschaustellung - der neuen alten Armut in Deutschland. Jedoch nur von Seiten derjenigen, die Leistungen vom Staat beziehen müssen, weil ihnen der Staat zuvor mit ihrer Wirtschaftspolitik und den widersprüchlichen Sozialgesetzen den Lebenshahn zugedreht hat. Da sitzen sie nun und warten mit dem Gefühl, ob das Damokles Schwert heute zuschlägt oder ob der Schierlingsbecher doch noch einmal an ihnen vorbei gereicht wird. Es ist nämlich gar nicht so einfach, die Anforderungen eines Hartz IV Empfängers zu erfüllen. Schließlich gibt es strikte Regeln, wie er sich  verhalten muss und im besten Falle auch verhält. Die überforderten und mit Vorurteilen belasteten Sachbearbeiter der Ämter strengen sich schon sehr an, all diese unfähigen und arbeitsscheuen – ALLE GLEICH! – Subjekte zu verwalten. Dass die Fluktuationsrate der Sachbearbeiter höher liegt, als in allen anderen Berufszweigen, lässt auf jeden Fall den Schluss zu. Die Widersprüchlichkeit besteht aus wenigen prägnanten Auffälligkeiten. Auf der einen Seite darf kein akademischer Abschluss erlangt werden und auf der anderen Seite wird einem dieser Sachverhalt als „Versagertum“ negativ ausgelegt. Kein Abschluss – kein Job! Aus der Arbeitslosigkeit heraus Selbstständig machen – die Bank sperrt den Dispokredit, auch wenn Guthaben vorhanden ist und wer keine Banksicherheiten besitzt, der kann sich – trotz des Angebots der ARGE – eben nicht Selbstständig machen. Dafür hat die Unternehmensberatung, die für die ARGE arbeitet eine gute neue Geschäftsidee. Persönliche Kontakte können durch die monatlichen Bezüge von 345,-Euro (im günstigsten Fall, denn ist das Haus, in dem sie wohnen zu alt und die Miete zu hoch, dann wird ein Teil der Miete eben nicht übernommen und muss von den 345,-Euro abgezogen werden.) kaum aufrecht erhalten werden. Und soziale Bindungen sind wichtig, um über das berühmte Vitamin B(eziehung) wieder an einen Job zu kommen. Ach ja, wer glaubt, das Strom, Heißwasser, Praxisgebühr und Medikamentenzuzahlung, Telefon/Internet/Handykosten, Versicherungen von der ARGE übernommen werden, der irrt! Unterm Strich bleiben etwa 120,-Euro/mtl. für Lebensmittel, Hygieneartikel, Bekleidung, Fahrkarten etc. übrig. Anstatt den Empfänger dieser Leistung gesund und motiviert zu halten, wird er mit immer engeren Vorschriften zu einer Nichtperson. Will diese Nichtperson Freunde besuchen fahren, die in einer anderen Stadt wohnen, so muss er sich die Genehmigung des Amtes holen hat er sie, so kann es passieren, dass nachgeforscht wird, woher der Hartz IV-ler das Geld für die Fahrt hergenommen hat. Und, dass eh alle drei Monate die finanzielle Hose heruntergelassen werden muss, ist allgemein bekannt. Insofern lebt es sich als Hartz IV Empfänger wirklich bequem und was braucht der Mensch schon zum Leben…
 
Der perfekte Hartz IV Empfänger
1.    Fühlen Sie sich stets schuldig, Ihren Arbeitsplatz verloren zu haben.
2.    Fühlen Sie sich stets schuldig, Opfer eines Verbrechens oder eines Betruges geworden zu sein.
3.    Beantragen Sie bittstellerisch und demütig Hartz IV.
4.    Lassen Sie Gehirnwäsche zu.
5.    Geben Sie sich für Alle als Hartz IV-ler zu erkennen!
6.    Duschen und waschen Sie sich nur einmal in der Woche mit kaltem Wasser.
7.    Teilen Sie sich Hygieneartikel (Binden, Tampon, Seife etc.) umsichtig ein.
8.    Gehen Sie nur alle 3 Tage zur Toilette.
9.    Ernähren Sie sich nur von ungesunden und belasteten Lebensmitteln.
10.Bleiben Sie gesund.
11.Gehen Sie schlafen, wenn es dunkel wird.
12.Schalten Sie keine strombetriebenen Geräte an.
13.Achten Sie nicht auf Ihr äußeres Erscheinungsbild.
14.Treten Sie auf keinen Fall selbstbewusst auf.
15.Verschenken Sie Ihr gutes Porzellan.
16.Kappen Sie freiwillig alle sozialen Kontakte.
17.Telefonieren Sie nicht mehr und informieren Sie sich nicht über das Internet.
18.Tragen Sie auf keinen Fall irgendwelchen Schmuck.
19.Lassen Sie sich nicht beschenken.
20.Verlassen Sie nicht Ihr Wohnviertel.
21.Fahren Sie nicht ohne einen Antrag zu stellen zu Freunden außerhalb Ihrer Stadt.
22.Leben Sie auf alle Fälle allein in der billigsten Absteige und dem dreckigsten Wohngebiet.
23.Seien Sie stets demütig und dankbar über die großzügigen Geschenke des Staates.
24.Freuen Sie sich über Kürzungsandrohungen der Bezüge.
25.Wirtschaften Sie mit dem Geld vorausschauend.
26.Sprechen Sie auch bei chronischem Untergewicht stolz über das Abnehmen auf Staatskosten.
27.Verbrennen Sie das Sozialgesetzbuch.
28.Verbrennen Sie Ihre Menschenwürde.
29.Hören Sie auf zu denken.
30.Nehmen Sie an allen Ihnen angebotenen Projekten teil.
31.Geben Sie Ihre Persönlichkeit an der Eingangstür der Sachbearbeiter ab.
32.Sparen Sie von Ihrem monatlichen Bezug monatlich 50,-Euro für Notfälle.
33.Beschweren Sie sich nicht.
34.Machen Sie sich unsichtbar.
35.Denken Sie nur an eines: Es gibt Sie gar nicht.
Martina Ripke